Die schönsten Helvetismen

"Migros Bananen", von http://www.sc-stb.ch/Berichte/Einzelberichte/Gurtenclassic_2002/Gurten-Classic_2002alb/album1.htmlWenn Schweizer miteinander deutsch sprechen, so sprechen sie üblicherweise schweizerdeutsch. Wenn Schweizer mit des Deutschen mächtigen Nichtschweizern sprechen, so sprechen sie hochdeutsch. Was viele Schweizer jedoch nicht wissen, ist, dass einige der Wörter, die für sie perfekt hochdeutsch sind, außerhalb der eigenen Landesgrenzen trotzdem für Verwunderung sorgen und zur Verständigung mit Dritten nur beschränkt dienlich sind. (Auch Österreicher unterliegen mitunter diesem Irrtum: zum Beispiel ist die Allzweckphrase "das geht sich nicht aus" in Deutschland und der Schweiz weder dazu geeignet Termine abzusagen noch einen Geldmangel auszudrücken.)

Etablieren wir also die 10 schönsten Helvetismen auch in Deutschland, Österreich und Luxemburg. Und zwingen wir dafür die Schweizer, im Gegenzug das scharfe ß wieder zu verwenden.

**) Bei diesen Einträgen bestehen Zweifel, ob sie von den Schweizern selbst nicht doch als Schweizerdeutsch bzw. Schweizer Hochdeutsch erkannt werden - also im Gespräch mit Nichtschweizern bewusst unterlassen werden. Diskutieren Sie im Gästebuch mit.

***) Bei diesen Einträgen bestehen Zweifel, ob sie nicht auch in Teilen Österreichs oder Deutschlands (die nicht unbedingt in unmittelbarer Nachbarschaft der Schweiz liegen) gebräuchlich sind.

Weitere Vorschläge, Anmerkungen, Einsprüche oder Verschiebungen auf die und innerhalb der Bestenliste bitte jederzeit ins Gästebuch eintragen oder per Mail an mich. (Updates können ein wenig dauern.)

[Letztes Update: Sept. 2004]


Die Favoriten

  1. Hinschied: Tod
  2. einnachten: Nacht werden ("Es nachtet ein.")
  3. fertig: alle (D), aus (Ö) - "Der Lapin ist fertig." ("Der Hase ist aus.")
    zitiert aus dem Buch "Wenn man einen weißen Anzug anhat. Ein Tagebuch-Buch." von Max Goldt.
  4. zügeln/züglen: umziehen, übersiedeln (von einem Ort zu einem anderen)
    Anm.: Das gilt selbst für Daten auf Computern: "Outlook-Express-Daten zwischen PCs 'züglen'"
    Anm. Dominique Haussener: Ein nettes Beispiel, wie verbreitet die Meinung ist, "züglen" sei hochdeutsch, findet sich auf der Fehlerseite des größten Schweizer Internet-Providers Bluewin.
    Anm. Hans v. Rotenhan: Umziehen heisst nicht zügeln sondern züglen. Im Sprachgebrauch klinkt das wie "zügle", was im Infinitiv sozusagen nach einem 'n' schreit.
  5. speditiv: schnell
    Anm. Hans v. Rotenhan: ein Wort, das ich in keinem Brief an Schweizer auslasse. Es heisst schnell und wird nur in Verbindung, etwas zu erledigen, verwendet. Ich habe auch schon Schweizer erlebt, die in einem englischen Brief schrieben "may I suggest to treat this matter speditively".
  6. angefressen: begeistert (von etwas angefressen)
    Anm. Robert Stachel: Vorsicht ist geboten, das Wort bedeutet im Wienerischen genau das Gegenteil.
  7. parkieren, umparkieren: einparken bzw. sein Auto woanders hinstellen
    Anm. Christopher Wurmdobler: Durchsage by dä Migros St. Margareten: "Das Auto mit dem Kennzeichen XY bitte umparkieren"
  8. Natel: Mobiltelephon, Handy.
    Anm. Christopher Wurmdobler: Die Schweizer sagen statt Handy Natel nach der Telefongesellschaft.
    Anm. Dominique Haussener: Ursprünglich kommt der Begriff Natel von "Nationales Autotelefon", ist jedoch ein eingetragene Marke der Swisscom. Da die Swisscom jedoch lange Zeit alleiniger Anbieter der Mobiltelefonie war, hat sich Natel quasi eingebürgert.
  9. Leerschlag: Leerzeichen
  10. Abänderung: Wechseljahre

Die Verfolger


Quellen/Mitarbeit: NZZ, micro-mobility, Nives Widauer, Thomas Voirol, Norbert Breda, Friedrich Forsthuber, Christopher Wurmdobler, Andreas Leo Findeisen, Günther Hack, Andreas Freitag, Dominique Haussener, cb4yh@..., André Voigt, Philippe Welti, Axel Eble, Hans v. Rotenhan, Jens Paulsen, Rafael Bischof, Peter Wyss, Martin Osen, George Meier, Christoph Stinner, Gabriele Horber, Martin Leitner, cetlin.


Robert Stachel - robert.stachel@maschek.org - www.robert.stachel.at - www.maschek.org